Die Inhaltsstoffe – Herkunft, Chemie und Forschungsstand

Acht Bestandteile stehen in der Volldeklaration von Tirze+, und jeder von ihnen hat eine eigene Geschichte: eine botanische, eine chemische, manchmal auch eine Kontroverse. Diese Seite ordnet ein, was über die einzelnen Stoffe bekannt ist — woher sie stammen, wie der Körper mit ihnen umgeht und wo die Forschung heute steht. Mengenangaben und Einnahmehinweise zum fertigen Produkt stehen auf der Startseite.

Zink: das Salz entscheidet mit

Zink ist Bestandteil oder Kofaktor von rund 300 Enzymen im menschlichen Körper — an kaum einem anderen Spurenelement hängen so viele. In Tirze+ liegt es als Zinkcitrat vor, und diese Wahl ist keine Nebensache. Für Citrat fehlten lange Absorptionsdaten beim Menschen, während Gluconat und Oxid längst etabliert waren.

Eine Arbeitsgruppe der ETH Zürich schloss diese Lücke: In einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie an 15 gesunden Erwachsenen maß sie die Zinkaufnahme mit der Doppelisotopen-Methode (⁶⁷Zn und ⁷⁰Zn) nach einer Gabe von jeweils 10 mg. Die mediane fraktionelle Absorption betrug 61,3 % für Citrat, 60,9 % für Gluconat und 49,9 % für Oxid; der Unterschied zum Oxid war statistisch signifikant, und drei Teilnehmer nahmen daraus so gut wie nichts auf: Wegmüller et al. (The Journal of Nutrition, 2014).

L-Arginin: die Aminosäure, die den Darm kaum passiert

L-Arginin gilt als semi-essenziell — der Körper stellt es selbst her, unter bestimmten Bedingungen reicht die Eigensynthese aber nicht aus. Pharmakologisch interessant ist vor allem, was bei der oralen Aufnahme passiert: Ein erheblicher Teil wird bereits in der Darmwand durch das Enzym Arginase abgebaut, bevor er den Blutkreislauf erreicht. Diese präsystemische Elimination ist der Grund, weshalb orale Arginin-Gaben die Plasmawerte weniger stark anheben als erwartet.

L-Citrullin: der Umweg, der sich messen lässt

Citrullin umgeht genau dieses Nadelöhr — es wird von der intestinalen Arginase nicht abgebaut und erst in der Niere zu Arginin umgewandelt. Eine Hamburger Arbeitsgruppe um Edzard Schwedhelm prüfte das systematisch: 20 gesunde Probanden durchliefen in einem doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Design sechs verschiedene Dosierungsschemata über jeweils eine Woche. Die höchste Citrullin-Dosis — 3 g zweimal täglich — hob den Arginin-Talspiegel im Plasma messbar an, während orale Arginin-Gaben den Wert nicht im gleichen Maß anhoben: Schwedhelm et al. (British Journal of Clinical Pharmacology, 2008). Beide Aminosäuren sind in Tirze+ zu je 100 mg enthalten.

L-Glutamin: das Molekül, das Hans Krebs 1935 aufklärte

L-Glutamin ist die häufigste freie Aminosäure im menschlichen Körper — im Blut wie im Zellinneren. Sie transportiert Stickstoff zwischen den Organen, dient als Vorstufe für die Synthese weiterer Aminosäuren, Proteine und Nukleotide und ist der wichtigste Ausgangsstoff der Ammoniakbildung in der Niere: Smith (Journal of Parenteral and Enteral Nutrition, 1990).

Die Grundlagen dazu legte Hans Krebs 1935 im Biochemical Journal: Er beschrieb, wie Glutamin aus Glutaminsäure und Ammoniak entsteht und wie Enzyme im tierischen Gewebe es wieder spalten. Isoliert worden war die Substanz schon drei Jahre zuvor — aus einem enzymatischen Verdau des Weizenproteins Gliadin. Die Eigenproduktion ist beachtlich: Schätzungen reichen von 40 bis 80 Gramm täglich.

L-Glutathion: eine Debatte, die 1992 begann

Glutathion ist streng genommen keine Aminosäure, sondern ein Tripeptid aus Glutaminsäure, Cystein und Glycin. Die spannendste Frage dazu ist seit Jahrzehnten dieselbe: Kommt oral aufgenommenes Glutathion überhaupt im Körper an?

Eine Berner Arbeitsgruppe verneinte das 1992. Sieben gesunde Probanden erhielten eine Einzeldosis von 0,15 mmol pro Kilogramm Körpergewicht; in den 270 Minuten danach stiegen die Plasmakonzentrationen von Glutathion, Cystein und Glutamat nicht signifikant an. Als Erklärung nannten die Autoren die Spaltung durch die γ-Glutamyltransferase in Darm und Leber: Witschi et al. (European Journal of Clinical Pharmacology, 1992).

Zwei Jahrzehnte später sah das Ergebnis anders aus — weil anders gemessen wurde. In einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie über sechs Monate erhielten 54 nichtrauchende Erwachsene täglich 250 oder 1.000 mg. Nach einem halben Jahr lagen die Glutathionwerte der Hochdosisgruppe in Erythrozyten, Plasma und Lymphozyten im Mittel 30 bis 35 % über dem Ausgangswert, in Mundschleimhautzellen um 260 % darüber: Richie et al. (European Journal of Nutrition, 2015). Einzeldosis gegen Daueranwendung, Plasma gegen Gewebespeicher — die Diskrepanz zwischen beiden Arbeiten wird bis heute diskutiert.

Guarana: die koffeinreichsten Samen der Welt

Paullinia cupana ist eine Kletterpflanze aus dem Amazonasbecken. Ihre Samen enthalten mehr Koffein als jede andere bekannte Pflanze — je nach Quelle 2 bis 7,5 %, also ein Vielfaches dessen, was in Kaffeebohnen steckt. Dazu kommen Spuren der verwandten Xanthine Theobromin und Theophyllin.

Beim Volk der Sateré-Mawé werden die Samen seit Jahrhunderten geröstet, vermahlen und zu Stangen gepresst, die traditionell mit der rauen Zunge eines Fisches in Wasser gerieben werden. Wie aus diesem regionalen Getränk erst eine brasilianische Nationallimonade und dann ein globaler Energydrink-Rohstoff wurde, zeichnen Smith & Atroch (Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2010) nach. Den aktuellen Stand zu Anbau, Samenchemie und Pharmakologie bündeln Schimpl et al. (Journal of Ethnopharmacology, 2013): Angebaut wird vor allem in den Bundesstaaten Amazonas und Bahia; rund 70 % der Ernte gehen in die Getränkeindustrie. Etwa 30 % werden zu Pulver für Kapseln und Trinkzubereitungen verarbeitet.

Inulin aus Topinambur: auf die Kettenlänge kommt es an

Topinambur (Helianthus tuberosus) ist ein nordamerikanischer Korbblütler und ein naher Verwandter der Sonnenblume. Der deutsche Name ist eine historische Verwechslung: Er geht auf die Tupinambá zurück, ein Volk der brasilianischen Küste — mit der Pflanze hatten sie nichts zu tun. In Europa war die Knolle verbreitet, bevor die Kartoffel sie verdrängte.

Statt Stärke speichert Topinambur Inulin, ein Fruktan aus β-(2→1)-verknüpften Fruktoseeinheiten mit endständiger Glukose. Entscheidend ist die Kettenlänge: In reifen Knollen liegt der Polymerisationsgrad zwischen 3 und 35 Einheiten; den Hauptanteil stellen kurze Ketten mit 2 bis 10 Einheiten. Aufgebaut wird das Molekül von zwei Enzymen (1-SST und 1-FFT), abgebaut von Fruktan-Exohydrolasen — ein Gleichgewicht, das sich mit Erntezeitpunkt und Lagerung verschiebt: Jiao et al. (Frontiers in Plant Science, 2018).

Koffein: elf Milligramm und ein Enzym namens CYP1A2

Die 11 mg Koffein in Tirze+ stammen aus dem Guarana-Extrakt. Abgebaut wird Koffein fast ausschließlich in der Leber: Rund 95 % der systemischen Clearance entfallen auf das Cytochrom-P450-Isoenzym CYP1A2. Weil dieses Enzym polymorph ist, unterscheiden sich Halbwertszeit und Plasmaspiegel von Mensch zu Mensch erheblich — dazu kommen Einflüsse von Alter, Geschlecht, Hormonstatus, Rauchen und Begleitmedikation. Astrid Nehlig hat diese Faktoren in Pharmacological Reviews zusammengetragen: Nehlig (Pharmacological Reviews, 2018). Zur Einordnung: Eine Tasse Filterkaffee liefert rund 90 bis 120 mg.

Was diese Studien belegen — und was nicht

Die hier verlinkten Arbeiten beschreiben Substanzen, nicht das Produkt. Sie zeigen, wie ein Zinksalz aufgenommen wird, wie eine Aminosäure den Darm passiert oder woraus ein Samen aus dem Amazonas besteht — nicht, was Tirze+ bewirkt.

Für gesundheitsbezogene Angaben gilt in der EU ein enger Rahmen. In dieser Rezeptur erfüllt von den acht Bestandteilen allein Zink die Voraussetzungen; mit 14 mg pro Kapsel liegt es deutlich über der erforderlichen Mindestmenge. Zugelassen sind, im exakten Wortlaut:

  • Zink trägt zu einem normalen Makronährstoff-Stoffwechsel bei.
  • Zink trägt zu einem normalen Kohlenhydratstoffwechsel bei.
  • Zink trägt zu einem normalen Fettsäurestoffwechsel bei.

Für die vier Aminosäuren, den Guarana-Extrakt, das Inulin und das Koffein bestehen keine zugelassenen Angaben. Bei den Pflanzenstoffen steht die Bewertung durch die EU-Kommission seit Jahren aus; bei anderen Bestandteilen liegen die enthaltenen Mengen unterhalb der Schwellen, ab denen eine Angabe überhaupt möglich wäre. Zwei Beispiele zeigen, worum es dabei geht: Die zugelassene Inulin-Angabe bezieht sich auf Chicorée-Inulin ab 12 g täglich, die Koffein-Angaben auf mindestens 75 mg je Portion. Auch die zitierte Citrullin-Studie arbeitete mit 6 g pro Tag — Tirze+ enthält 100 mg.


ℹ️ Einordnung: Wer diese Zahlen kennt, kann selbst einordnen, wofür ein Nahrungsergänzungsmittel gedacht ist: Es ergänzt die Ernährung. Es ersetzt weder eine ausgewogene Kost noch eine ärztliche Behandlung. Alle Angaben zu Zusammensetzung, Einnahme und Verträglichkeit stehen auf der Startseite von Tirze+.